30 Jahre barrierefreies Reisen:

Eine kleine Entstehungsgeschichte

30 Jahre Handicapped Reisen
Vor 36 Jahren hatte Yvo Escales, Gründer des Escales-Verlages (heute Escales-Medien), im Rahmen seines Zivildienstes (heute vergleichbar mit dem freiwilligen sozialen Jahr) in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderung, eine bahnbrechende Idee. Bahnbrechend nicht nur, da Sie die Grundlage für ein erfolgreiches Unternehmen legte, sondern vielmehr, weil sie das Leben vieler Menschen verbessern würde.
Die überwiegend schwerbehinderten und an den Rollstuhl gebundenen Menschen, die er zum damaligen Zeitpunkt betreute, hatten nahezu keine Möglichkeiten, einen Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände oder der Pflegeeinrichtung zu verbringen. Grund hierfür war, dass es damals zum einen nur sehr wenige barrierefreie Unterkünfte gab und zum anderen keine Informationsquellen, um diese ausfindig zu machen.
Ein Ausflug ans Meer, oder vielleicht doch lieber in den Schwarzwald? Einfach einen Reiseführer oder ein Hotelverzeichnis zur Hand nehmen, ins Reisebüro an der Ecke ein Hotel buchen oder blindlinks drauf los. Als Fußgänger kein Problem. Im Rollstuhl hingegen in der damaligen Zeit nahezu undenkbar. Es gab nur wenige Spezialreiseveranstalter für Menschen mit Behinderung, jedoch keine oder nur unzureichende Informationen für diese Zielgruppe von Reiseveranstaltern, Reisebüros und Fremdenverkehrsämtern. Auch in den Hotelverzeichnissen wurden wichtige Informationen über Barrierefreiheit nicht berücksichtigt. Für die meisten Menschen mit körperlichen Einschränkungen, insbesondere für Rollstuhlfahrer, damals ein Grund, auf Reisen verzichten zu müssen.
Yvo Escales wollte dies ändern. Er organisierte während seines sozialen Jahres (damals „Zivildienst“) einige Tagesausflüge und Freizeiten für Rollstuhlfahrer und schwerstbehinderte Menschen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz in Neuss und einem Behindertenverein. Für die meisten mitreisenden behinderten Menschen war es das erste Mal, ihre häusliche Umgebung oder Pflegeeinrichtung für einen Tag oder für eine Woche verlassen zu können und eine neue Umgebung kennenzulernen. Das Glück, welches diese Menschen erfuhren und die damit verbundene Dankbarkeit motivierten.
Um jedoch flächendeckend den behinderten Menschen in ganz Deutschland helfen zu können, kam Yvo Escales die Idee, weltweit nach rollstuhl- und behindertengeeigneten Hotels, Pensionen, Ferienhäusern, Ferienbauernhöfen und Spezialreiseveranstaltern zu recherchieren und diese in einem Ratgeber zu veröffentlichen. Zur damaligen Zeit eine unendlich mühevolle Arbeit, denn Internet gab es damals noch nicht. So wurden Tausende Beherbergungsbetriebe, Reiseveranstalter, Verkehrsämter und Organisationen angeschrieben, zum Teil persönlich besucht, und im Jahr 1984 erschien die erste Buchausgabe des Ratgebers Handicapped-Reisen, der inzwischen in der 30. Auflage vorliegt. In Deutschland gab es – und gibt es bis heute – kein anderes vergleichbares Nachschlagewerkt.
Bis zum Jahr 1995 wurde Handicapped-Reisen mit einer Loseblattsammlung ergänzt, welche aktuelle Reiseinformationen für Rollstuhlfahrer und schwerbehinderte Menschen enthielt. Im Juni 1995 wurde daraus eine alle zwei Monate erscheinende Fachzeitschrift, zunächst unter dem Titel Handicapped-Kurier, im Jahr 2008 umbenannt in Rollstuhl-Kurier, mit dem Themenschwerpunkt Reisen. Urlaubsdomizile auf der ganzen Welt werden von der Redaktion seit 23 Jahren auf Barrierefreiheit geprüft und detailliert beschrieben.